Die Kata

Kata-Seienchin

Sequenz der Kata Seienchin.

In der Vergangenheit habe ich bereits ein paar der Kata des Gojuryu vorgestellt. Doch was ist eine Kata genau bzw. wozu wurden Kata entwickelt?

Der Begriff Kata kann als »Schablone« oder auch »Muster« übersetzt werden und kommt aus dem Japanischen. Hinter der Kata verbergen sich diverse Techniken, die in festgelegter Folge aneinander gereiht sind. 

Die Kata gehört zu den drei Säulen des Karate. Nach dem Erlernen von Techniken im Kihon und Kihon-Ido üben sich die Karateka natürlich auch in der Kata. Die Techniken jeder Kata folgen einem festgelegten Muster und beinhalten mehr oder weniger verschiedene Angriffe, Verteidigungen und Stände – je nach Schwierigkeitsgrad einer Kata. Zu Beginn ist das vorrangige Ziel der Kata, die Technikabläufe zu meistern und die entsprechenden Kombinationen möglichst zu perfektionieren. Die »Perfektionierung« der eigenen Kata-Darbietung soll aber nicht nur die reinen Techniken beinhalten; sie soll vielmehr auch dazu dienen, die korrekte Atmung zu lernen wie auch die richtigen Zeitpunkte für das Kime (An-/Spannung). Gerade für Atmung und Kime stellen Sanchin und Tensho eine hervorragende Übung dar.

Im Übrigen kann die Kata als höchste Stufe des Kihon angesehen werden, denn neben den Techniken selbst und der Ausführung in der Bewegung beinhaltet sie komplexe Technikabläufe bzw. Kombinationen. Neben den reinen Vor- oder Rückwärtsbewegungen kommen zudem Wendungen zur Anwendung – in der Suparimpei gar eine 360-Grad-Drehung mit anschließendem Fußtritt.

Um eine Kata richtig verstehen zu können, ist es unerlässlich, diese »auseinander« zu nehmen. Für dieses Studium der Kata werden Bunkais verwendet. Sie zeigen die Anwendung von Abschnitten/Technikabfolgen der Kata auf. Wo den Anfängern die Bunkais durch den Trainer vorgegeben werden, erarbeiten sich Fortgeschrittene die Bunkais selbst. Schließlich gibt es für Technikabfolgen nicht nur »das eine« Bunkai, sondern je nach Sichtweise viele verschiedene Bunkais. Dies zunächst als grobes Umreißen der Bedeutung von Kata.

Ja und wie entstanden die Kata? Hierzu müssen wir zeitlich gesehen einige Jahre in die Vergangenheit gehen. Anfang des 17. Jahrhunderts waren die Ryukyu-Inseln, von wo das Karate bzw. dessen Vorläufer stammen, durch den Stamm der Shimazu besetzt. Diese verboten das Tragen jeglicher, auch zeremonieller, Waffen und stellten dies unter drakonischer Strafen. Da jedoch die Samurai Schwerter tragen durften und zudem das Recht der »Schwertprobe« hatten, kam es mit der Zeit immer mehr zur willkürlichen Anwendung dieses Rechts an Unschuldige (eigentlich war es nur an zu Tode verurteilte Menschen erlaubt). Die (ländliche) Bevölkerung konnte sich das nicht über sich ergehen lassen. Doch wie sollten sie sich wehren? Das Entwickeln von Techniken ohne Gebrauch von Waffen stellte sie eben auch vor der Herausforderung, es vor den Besatzern geheim zu halten. In diesem Zuge entstanden die ersten Kata: hierbei wurden die verschiedenen Techniken in bestimmten Reihenfolgen zusammengesetzt und als Stammestänze getarnt. Einer der Vorteile: die Weitergabe des Wissens erfolgte mündlich, was unabdingbar war, da der Großteil der Bevölkerung des Lesens und Schreibens nicht mächtig war.

Im heutigen Training ist zu beachten, dass das Training der Kata nur einen Bestandteil des Karate ausmacht. Wer ausschließlich Kata übt, trainiert Fähigkeiten wie Reflexe/Reaktion, Distanzgefühl und ähnliches nicht. Die Möglichkeit zur Selbstverteidigung im Ernstfall wäre damit nur bedingt vorhanden. Zur Ergänzung empfiehlt sich daher natürlich das Training im Kumite.

Im Gojuryu gibt es folgende Kata: Sanchin, Gekisai-Dai-Ichi, Gekisai-Dai-Ni, Saifa, Tensho, Seienchin, Shisochin, Sanseru, Sepai, Kururunfa, Seisan und Suparimpei. In anderen Stilrichtungen wie bspw. dem Shitoryu finden sich mitunter ähnliche Kata wie die des Gojuryu. So gibt es dort zum Beispiel eine Shito-Variante der Kururunfa.

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3 Kommentare

  1. …was mich inzwischen immer so ein bisschen stört ist diese „…Die »Perfektionierung« der eigenen Kata-Darbietung…“. Da wird das Ursprünglich mehr und mehr nur einer wettkampftauglichen Show umfunktioniert.
    Dadurch erfolgt auch meines Eindruckes nach, eine zu starke Stilisierung der Kata. In vielen Dojos wird dann eine Kata nur immer nach einem Muster „auswendig gelernt“ mit einem Maximum an „Kime“. Echter Sinn oder gar Verteidigungsfähigkeit kann und wird auch so nie zustande kommen.

    1. Hallo Alex,
      da gebe ich dir durchaus Recht. Wichtig ist hierbei, was man unter der „Perfektionierung“ versteht. Wie du schon sagst, ist es oftmals so, dass eine Kata quasi „auswendig gelernt“ wird. Daraus folgt natürlich kein großartiger Sinn in Bezug auf Selbstverteidigung, sondern nur um bei Wettkämpfen zu bestehen.
      Ich definiere für mich die „Perfektionierung“ so, dass die Kata technisch gesehen sauber ausgeführt wird, aber vor allem die Techniken und Abfolgen mit dem Hintergrund ausgeführt werden, wie sie im Verteidigungsfall sinnvoll angewandt werden können. Von daher sehe ich es unkritisch, ob nun bspw. ein Kake Uke in der Suparimpei langsam oder eher schnell ausgeführt wird; Hauptsache, der Ausführende hat eine für sich passende Anwendung dafür sozusagen im Kopf. Wie wir alle wissen, sind die Bunkais ja vielseitig und je nach Betrachtung des Einzelnen eben unterschiedlich.

      1. Danke für die Rückantwort.

        Dennoch bleibe ich bei meiner kritischen Meinung. Natürlich nicht ohne Deine Aussage in Frage zu stellen. Soll heißen, ich habe ja nie gesehen wie Ihr das handhabt.
        Ich kann nur, wenn auch leider, auf der Grundlage urteilen, bei dem was ich gesehen habe und auch machen mußte. Da wurden dann sogar die Bunkai einzementiert bis auf den Bruchteil eines Milimeters unabhängig davon, ob der Gegenüber nun mal ein Stückchen größer war oder kleiner. Es war dann „falsch“.

        Aber ich hatte auch mal sehr positive Erfahrungen gemacht unter anderem bei einem großen Treffen des Yuishinkan in Kamen. Dort traf ich auf einen mir gleich aufgestellten 1 Kyu mit dem ich einen so vorzügliche (mit Sicherheit nicht perfekt, aber immerhin) Bunkai „erarbeiten“ konnte, das selbst die hochdekorierte Instruktorin uns fragte was wir da machen würden ?
        Wir arbeiteten einfach und sponat, „aus der Hüfte heraus“ könnte man dann auch gleich doppelsinnig sagen. Es passte alles und das obwohl es spontan war. Wir hatten Spaß, sie hatte Spaß.

        Und so kome ich immer wieder zu dem für mich bisher gültigem Schluss, das Karate, was ich gleichstelle mit dem Begriff Kata, im Sinne von Synthese des Karate zum einen gar nicht so schwer ist (schon mal gar nicht geheime Techniken kennt) und zum anderen auch nicht so einzementiert sein kann-darf-sollte oder wie auch immer.

        Ein schönes Wochenende noch. 😉

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