Geschichte des Karate-Do

von Okinawa bis nach Deutschland

Kanji_Karate-DoName und Bedeutung

Das japanische Wort Karate setzt sich aus Kara (leer) und Te (Hand) zusammen und wird daher als »leere Hand« übersetzt – das Do steht für »Weg«. Sinngemäß wird Karate-Do als »Weg der leeren Hand« übersetzt. Das Do steht zum ersten für den philosophischen Hintergrund der Kampfkunst und zum zweiten für die Bedeutung als Lebensweg. Karate ist nicht einfach ein Sport, es begleitet uns ein Leben lang.

Eine Legende

Gemäß einer weit verbreiteten Legende, erreichte im sechsten Jahrhundert ein buddhistischer Mönch namens Bodhidharma das Kloster Shaolin. Weil diese einen Großteil des Tages mit Meditieren verbrachten, soll er ihnen körperliche Übungen gezeigt haben, durch die sie das lange Meditieren aushalten konnten. Daraus entwickelte sich das Shaolin-Kungfu. Karate weiß um seine chinesischen Wurzeln und betrachte sich als Nachfolger jener Tradition.

Diese Ansicht ist unter Kritikern äußerst umstritten.

Herkunft

Die uns bekannte Form des Karate entwickelte sich im vierzehnten Jahrhundert auf den Ryukyu-Inseln. Okinawa war dazumal ein wichtiger Umschlagsplatz für vielerlei Waren. Aus diesem Grunde bildete sich eine Form des kulturellen Austauschs zwischen Okinawa und dem Festland, wodurch erste Eindrücke chinesischer Kampftechniken auf die Inseln gelangten. Diese Eindrücke vermischten sich mit dem einheimischen Kampfsystem – dem Te – und eine Weiterentwicklung zum Tode – oder auch Okinawa-Te genannt – kam zustande.

Verbreitung der Kampfkunst

Etwa im Jahre 1416 verbot der damalige König Sho Shin das Tragen jeglicher Waffen, weshalb dem Okinawa-Te erstmals eine große Beliebtheit zuteil wurde. Viele Meister reisten daraufhin nach Okinawa, um sich fortzubilden.

Gute zweihundert Jahre später – 1619 – besetzte der Stamm der Shimazu die Inselkette und verschärfte das geltende Waffenverbot. Nun wurden selbst Zeremonienwaffen unter schwerster Strafe gestellt. Mithilfe dieser Verschärfung sollten Unruhen und bewaffnete Widerstände verhindert werden.

Eine Ausnahme des Verbots gab es aber: japanische Samurai. Sie durften nicht nur Waffen tragen, sondern erhielten zudem das Recht der »Schwertprobe«. Das heißt, sie durften die Schärfe ihrer Schwertklingen an Verwundete und zum Tode verurteilte testen. Mit der Zeit geschah dies aber auch eher willkürlich an der Bevölkerung.

Spätestens jetzt bestand eine gesteigerte Notwendigkeit der Selbstverteidigung! Durch den dadurch eingesetzten Intensivierungsprozesses entwickelte sich das Okinawa-Te schließlich zum uns bekannten Karate.

Weitergabe des Wissens und der Ruf des Te

Rund zwanzig Jahre später schlossen sich die Meister des Okinawa-Te zu einem oppositionellen Geheimbund zusammen. Es wurde festgelegt, die Kampfkunst solle nur im Geheimen und nur an ausgesuchte Personen weitergegeben werden.

Etwa zur selben Zeit entwickelte sich unter der bäuerlichen Bevölkerung das Kobudo. Darunter versteht man die Umfunktionierung von Werkzeugen und Alltagsgegenständen zu Waffen. Das Kobudo allerdings war auf Effizienz ausgerichtet (z.B. wurden keine Fußtritte zum Kopf geübt), wodurch die spirituellen, mentalen als auch gesundheitlichen Aspekte in den Hintergrund geraten und quasi verloren gingen. Der Vorteil dieser Kampfart bestand vor allen Dingen darin, dass die Waffen nicht verboten werden konnten, weil sie für die Bewirtschaftung und somit auch der Versorgung notwendig waren.

Anders als die Samurai, war die Bevölkerung sehr schlecht ausgebildet. Deshalb wurde versucht, nicht selbst getroffen zu werden und den Gegner in einer günstigen Situation mit nur einem Schlag zu töten. Dieses Vorgehen wurde unter der Bezeichnung Ikken-Hissatsu bekannt.
Daraufhin erhielt das Karate den (ungerechtfertigten) Ruf, agressiv und »die härteste aller Kampfsportarten« zu sein.

Wegen der tödlichen Wirkung des Okinawa-Te wurde das ohnehin starke Waffenverbot nochmals ausgedehnt, sodass selbst das Lehren dieser Kampfkunst sehr streng betraft wurde. Trotzdem wurde es weiterhin im Geheimen in kleinen Schulen oder in einzelnen Familien gelehrt. Weil nur wenige schreiben konnten sowie aus Gründen der Geheimhaltung wurden die Techniken nur direkt und mündlich weitergegeben.
Die Bündelung der zu lehrenden Kampftechniken zu sinnvollen und zusammenhängenden Einheiten mit festgelegten Formen und Abläufen nannte man Kata. Die Katas wurden damals als Stammestänze getarnt, die für Laien nicht aussagekräftig waren. Um die Bedeutung zu erfahren, war es nötig, intensives Kata-Studium zu betreiben, das sogenannte Bunkai.

Die Kata bildet das Hauptmerkmal der Tradition des Karate. Zu den drei Säulen gehören zudem das Bunkai und das Kumite (Kampf gegeneinander).

Sogar bis zum Ende des 19. Jahrhundert wurde Karate weiterhin im Geheimen vom Meister zum Schüler weitergegeben.

Als Okinawa 1875 zur offiziellen Präfektur Japans erklärt wurde, drang das Karate wieder stärker in die Öffentlichkeit.

Einzug in das tägliche Leben

Im Rahmen der Musterung einer Gruppe junger Männer im Jahr 1890 wurde festgestellt, dass sie in sehr guter körperlicher Verfassung waren. Nach deren Aussagen war dies auf den Karate-Unterricht in ihrer Grundschule zurückzuführen.

Daraufhin erstellte man einen Lehrplan, welcher eben die gesundheitlichen Aspekte wie Haltung, Beweglichkeit und Atmung in den Vordergrund stellte. Karate gehörte ab 1902 zum offiziellen Schulsport auf Okinawa. Es wurde nicht mehr nur als Selbstverteidigung geübt, sondern von nun an auch als Art der Leibesertüchtigung.

Durch Gichin Funakoshi wurde das Karate aufgrund des Shorin- bzw. Shorei-Ryus synchronisiert. Es wurde nun auch ein Mittel zur Charakterbildung.

Da Karate an Schulen gelehrt wurde, gelangte es etwas später zur sportlichen Ertüchtigung auch an die Universitäten, wodurch Karate nun als »nationale Kampfkunst« anerkannt und damit endgültig »japanisiert« wurde.

In den 1930er Jahren wurden der Karate-Gi sowie die hierarchische Einteilung in Schüler- und Meistergrade eingeführt. Funakoshis Beziehungen war es zu verdanken, dass Karate nach dem zweiten Weltkrieg nicht als kriegerische Kunst, sondern als Leibeserziehung eingestuft wurde. Dadurch konnte das Lehren des Karate-Do auch während der Besatzung fortgeführt werden.

Aufgrund der Besatzung Japans als auch der großen Auswanderungswelle 1900 nach Hawaii gelangte Karate als Sportart in die USA und später auch nach Europa.

Karate kommt in Deutschland an

Im Jahr 1954 wurde in Frankreich das erste Budo-Dojo gegründet. Aufgrund eines Lehrgangsbesuches des deutschen Jürgen Seydel in diesem Dojo und folgenden Lehrgängen in Deutschland entstanden erste Unterorganisationen innerhalb von Judo-Verbänden, die nun Karate betrieben.

Der erste deutsche Karateverein wurde von Seydel 1957 in Homburg gegründet.

Zu Beginn der 1980er Jahren begann die größte Ausbreitung des Karate in Deutschland. Es wurde schließlich der Deutsche Karatebund (DKB) gegründet (heute als Deutscher Karateverband, DKV).

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