Im Portrait: Chojun Miyagi

Chojun Miyagi wurde am 25. April des Jahres 1888 in Higashimachi (Naha) als Sohn einer wohlhabenden Familie des niederen Adels geboren. Nach dem Tod seines Vaters – er war gerade erst fünf Jahre – wurde er von der Hauptfamilie adoptiert und Haupterbe des Familienvermögens (die Familie Miyagi verdiente durch die Einfuhr von chinesischer Medizin sehr gut).

Die Anfänge

Chojun Miyagi (links) im Alter von 14 Jahren

Chojun Miyagi (links) im Alter von 14 Jahren

Um seiner Rolle als zukünftiges Oberhaupt gewachsen zu sein, sollte der junge Chojun Kampfkünste erlernen. So begann er im Alter von elf mit dem Training der Kampfkünste (Tomari Te) unter Sensei Aragaki Ryuko. Nach etwa drei Jahren (1902) stellte ihn Ryuko dem Meister Kanryo Higaonna (1853-1916, Begründer des Shorei-Ryu) vor, woraufhin Miyagi dessen Schüler wurde. Er sollte bis zu dessen Tod 1916 sein Schüler bleiben.

Nebenher erlernte Miyagi zusätzlich das Gongfu des Weichen Kranich-Stils bei Wu Xianghui. Mit ihm lernte unter anderem auch Kenwa Mabuni (Begründer des Shito-Ryu) diese Kampfkunst.

Auf Reisen

Erstmals im Jahr 1905 reiste Moyagi nach Fuzhou, Region Fukien (China), wie auch Higaonna schon zuvor. Als Hintergrund dafür kann in Betracht gezogen werden, dass sich Miyagi dem Militärdienst entziehen wollte – wie übrigens viele andere auch. In Fukien trainierte er unter anderem mehrere Monate im Julianshan Fujian Shaolin Kloster.

Zunächst unterhielt er sich finanziell selbst, indem er Waren aus Bambus fertigte und diese verkaufte. Nachher ging fast das gesamte Familienvermögen zur Neige, da sie ihn stets unterstützten. Im Jahr 1908 kehrte er schließlich zurück und kam seinen Verpflichtungen durch einen freiwilligen Militärdienst doch nach.

Später reiste er wieder nach Fuzhou und versuchte nach dem Tod seines Senseis Higaonna (1916 gestorben), dessen Lehrer ausfindig zu machen – leider vergebens. 1917 kehrte er wiederum nach Okinawa zurück.

Entstehung des Stils

Aus seinen bisherigen Erfahrungen der Kampfkunststile Ryukyu Kempo (Higaonna), Baihequan (Ryu Ryuko), Xingyiquan wie auch Tanglangquan entwickelte er eine Synthese, woraus das Goju-Ryu schließlich entstand.

Nach dem Tod seines Senseis Higaonna erlangte Miyagi zunehmend Brühmtheit. Es folgten unter anderem Demonstrationen wie bei den Feierlichkeiten zur Kaiserkrönung des Kaisers Hirohito. Er wurde nun auch nach dem Namen seiner Kampfkunst, seines Karate gefragt. Bei seiner Stilbezeichnung ließ er sich vom Ausspruch »alles im Universum atmet hart und weich« inspirieren. Daraus entstand schließlich die Bezeichnung Goju-Ryu – wörtlich übersetzt »Hart-Weich-Stil«.

Das Goju-Ryu war die erste Stilrichtung, die vom altehrwürdigen Dainippon Butokukai (Okinawa goju-ryu precepts) anerkannt und eingetragen wurde – dies geschah 1933. Miyagi war übrigens auch der erste Karateka, der vom Dainippon Butokukai einen japanischen Titel verliehen bekam – der des Kyoshi (1937).

Miyagi entwickelte für seine Stilrichtung zwei Kata speziell für Anfänger – Gekisai Dai Ichi und Gekisai Dai Ni. Auch entwickelte er eine eigene Version der Sanchin (mit geschlossenen Fäusten). Durch Einflüsse des Rokkishu (6 Handformen des Shaolinquan) entstand die Kata Tensho, die Kata der »kreisenden Handflächen«. Sanchin und Tensho stellen mit ihren Unterschieden zueinander die Prinzipien des Goju-Ryu (Sanchin: GO, Tensho: JU) sehr gut dar.

Verbreitung des Goju-Ryu

Miyagis Ambitionen lagen klar in der Verbreitung der Kampfkunst, und somit auch des Goju-Ryu. Durch ihn wurde Karate sowohl in Schulen wie auch beispielsweise in sozialen Einrichtungen eingeführt.

Zu Beginn der 1930er Jahre reiste er viel umher und gab z.B. auch in Hawaii einige Monate lang Unterricht. Oft reise er auch nach Zentralchina zum Lehren.

Chojun Miyagi während des Unterrichtens in Okinawa - vermutlich 1929

Chojun Miyagi während des Unterrichtens in Okinawa – vermutlich 1929

Sein Lebensabend, Tod und Nachfolge

Im Jahre 1941 verlor er seinen dritten Sohn (Jun) und Shinzato Jinan, seinen ältesten Schüler, im Krieg. Danach gab er keinen Unterricht mehr und zog sich immer mehr zurück. Nach Ende des Krieges zog er nach Ishikawa, lehrte aber erst 1946 wieder.

Chojun Miyagi, der Begründer des Goju-Ryu, starb am 8. Oktober 1953 in Okinawa. Zu seinem offiziellen Nachfolger in Japan erklärte er Gogen Yamaguchi – auch als Neko (die »Katze«) bekannt -, den er bereits 1932 kennen lernte und zu seinem Schüler machte.

Bilderquelle: http://samaorganisation.co.uk/history.asp
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